Die Atomenergie kann kein Klimaschützer sein

Die atomare Katastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 wurde zum Symbol für eine Energie, deren Gefahrenpotential ziemlich hoch einzuschätzen ist. Die Folgen des Super-Gau´s von Tschernobyl sind auch heute noch ein großes Thema. Erst jetzt hat die Europäische Union einen sechsstelligen Millionenbetrag genehmigt, um die brüchige Betondecke zu erneuern, unter der sich die immer noch hoch radioaktiver Müll befindet. Noch immer sind die Folgen für die Menschen in der Ukraine und ihren Nachbarländern ein Problem: Die Krebsraten sind enorm, und auch alle anderen durch Verstrahlung verursachten Krankheiten können kaum einen Rückgang verzeichnen - und dies nach über 20 Jahren.

Auch die jüngsten Vorfälle in den deutschen Atomkraftwerken zeigen, dass deren Betrieb ein "Restrisiko" birgt. Selbst die höchsten Sicherheitsstandards können auch größere Unglücksfälle nicht verhindern. Doch auch der Normalbetrieb von Atomkraftwerken bringt Probleme. Die entscheidende Frage der Endlagerung des Atommülls ist immer noch nicht geklärt. Mit jeder Stunde wächst die Menge an radioaktivem Atommüll, für den es bisher noch auf der gesamten Erde kein geeignetes Endlager gibt. Die Halbwertzeit der gefährlichen Strahlung kann keine kurzfristige Lösung bringen, um die Umwelt zu schützen.

Die Auseinandersetzung um die Nutzung der Atomkraft ist geprägt von entschlossener oder ideologischer Vergesslichkeit. Rund 35 Jahre intensiver Debatten über die Nutzung der nuklearen Stromerzeugung sind vergangen. Im Jahre 2001 haben sich die damalige Bundesregierung und die Energieerzeuger auf einen langsamen Ausstieg aus der Atomenergie verständigt. Diese Vereinbarung wurde auch in Koalitionsvertrag von CDU und SPD übernommen und jetzt durch die Debatte um den Klimawandel wieder in Frage gestellt. So rückte das Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien wieder in den Hintergrund und man fordert die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern. Das Argument, dass der CO2-Ausstoß der Kernkraftwerke gleich Null ist und so ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung des Schadstoffausstoßes geleistet werde, hat immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Man kann jedoch feststellen, dass zum Klimaschutz die Atomkraft ein völlig untaugliche Energie ist, denn es geht nicht um einen Austausch der Brennstoffe, sondern um die drastische Reduzierung des Energieverbrauchs und um die Marktöffnung für alle erneuerbaren Energien. Die Klima-Enquete des Deutschen Bundestages hat schon 1990 (auf der Basis von mehr als 150 umfangreichen Studien aller führenden energiewissenschaftlichen Institute) nachgewiesen, dass die Atomkraft das Klimaproblem nicht lösen kann, ja sogar neue Energiedienstleistungen blockiert.

 

Die richtige Formel müsste eigentlich "Klimaschutz durch Atomausstieg" lauten, da die ganze Welt eine neue Struktur der Energieversorgung braucht, die eine radikale Marktöffnung für die erneuerbaren Energien ermöglicht. Die einfache Formel lautet: Dezentral, Flexibel und Vernetzbar. Das ist die Atomkraft nicht. Und noch ein wichtiger Punkt muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden: Die Effizienztechnologien kommen zu hohen Wirkungsgraden bei Wandlung und Nutzung von Energie. Das ist die Atomkraft keinesfalls, sie kommt über einen Wirkungsgrad von 30 Prozent nicht hinaus.

Weltweit setzen noch 31 Staaten auf die Kernenergie, doch seit 2001 haben 46 Staaten der Erde das deutsche Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien übernommen. Der UN-Weltklimarat prognostiziert für das Jahr 2020 einen weltweit doppelt so hohen Stromanteil der erneuerbaren Energien im Vergleich zum Atomstrom. Man geht auch davon aus, dass diese deutlich preiswerter werden, während die Preise der traditionellen Energien wesentlich teurer werden, denn auch die Vorräte an Uran sind nicht unerschöpflich und werden zu Ende gehen - schon deshalb ist die Atomkraft ein Auslaufmodell.

Die Energiedienstleistungen setzen sowohl auf der Angebots- wie der Nachfrageseite an. Insofern ist die Auseinandersetzung um die Atomkraft eine Auseinandersetzung zwischen altem und neuem Denken. Die Betreiber von Atomkraftwerken sind orientieren sich zwangsläufig an kurzfristigen Gewinnen und nicht automatisch an zukunftsorientierten neuen Techniken. Entscheidend ist es, heute die Weichen für eine nachhaltige Energieversorgung zu stellen.

Diejenigen, die heute die Atomkraft verlängern oder sogar neu beleben wollen, sind von gestern.

www.Heisse-Erde.de