Politik und Klimawandel

Der Klimawandel erfordert eine  neue Energiepolitik
Keine Nachrichtensendung kommt momentan ohne verheerende Überschwemmungs- und Hitzekatastrophen aus. Forscher müssen ihre Stationen am Nordpol verlassen, da die Eisschicht ihre Stationen nicht mehr trägt. Auch in Deutschland erwärmt sich das Klima immer mehr, selbst im kühl empfundenen Juli 2007 war es im Schnitt um 0,3 Grad Celsius zu warm. Die für Deutschland prognostizierten Unwetter und vermehrt Starkregen sind eingetreten und sollen noch heftiger werden.

Die fünf wärmsten Jahre seit Beginn der Klimaaufzeichnungen liegen nur kurze Zeit zurück:
Es waren die Jahre 1998, 2002, 2003, 2004 und 2005. Nach den Datenerhebungen der NASA stieg die Temperatur auf der Erde in den vergangenen 100 Jahren um 0,8 Grad Celsius, davon allein exakt 0,6 Grad in den vergangenen 30 Jahren. Die NASA-Prognose für das 21. Jahrhundert stellt eine noch rasantere Entwicklung in Aussicht: Es ist mit einem Anstieg der Temperaturen von drei bis fünf Grad Celsius zu rechnen. Sollte dieser Fall eintreten, würden auf der Erde Temperaturen herrschen, die es seit einer Million Jahren nicht mehr gab.

An einem Beispiel seien auch die ökonomischen Folgen deutlich gemacht:
Skigebiete, die unter der 2000-Meter-Grenze liegen, müssten schon bald den Betrieb aus Schneemangel einstellen, und das Schmelzen der Gletscher würde immer rasanter. Schon heute geht man davon aus, dass in etwa fünfzig Jahren die meisten Gletscher der Ostalpen und 75 Prozent der Schweizer Gletscher verschwunden sein werden.

Der Klimawandel ist täglich für jeden einzelnen Menschen dieser Erde spürbar. Nachdem nun auch die amerikanische Administration dieses Problem erkannt hat, steht die Diskussion über Gegenmaßnahmen im Mittelpunkt vieler internationaler Konferenzen und Tagungen. Doch eigentlich ist die Zeit des Redens längst vorbei, die Wissenschaftler haben die Ursachen erkannt und den Politikern exakte Lösungsvorschläge unterbreitet. Der anerkannte Ökonom Nicholas Stern sagt in seinem aktuellen Klimareport voraus, dass die Schäden einer Klimakatastrophe zwanzig Mal so hoch sein würden, als die Kosten einer engagierten, ehrlichen internationalen Klimaschutzoffensive. Praktisch auf dem gesamten Erdball müssen schnell und vor allem mit energischer Konsequenz die Emissionen zurückgefahren werden, und zwar in allen Bereichen, seien es die industriellen oder die privaten Emissionen. Doch noch immer bringen Politiker die Kosten als Argument, obwohl ihnen die Berechnungen von Nicholas Stern bekannt sind. Dies gilt auch im Bereich der Prävention. Um die Bevölkerung zu schützen, müssen die Deiche an den Meeren erhöht werden, aber auch in den Binnenländern muss der Schutz vor Hochwasser weiter ausgebaut werden.

Am stärksten betroffen werde die Schwellen- und Entwicklungsländer sein. Experten sehen die Länder Südostasiens und Afrikas als besonders gefährdet an. Politiker aus aller Welt setzen auf den Erfolg eines globalen Emissionshandels und wollen diesen zum Bestandteil des Nachfolgeabkommens von Kyoto machen, um auch die so genannten Entwicklungsländer mit einzubeziehen. Im Dezember 2007, wenn auf Bali die Nachfolgekonferenz von Kyoto stattfindet, müssen alle Länder "ihre Hosen herunterlassen". Dann wird sich entscheiden, ob den vielen Worten auch die richtigen Taten folgen. Dies gilt übrigens auch für die Absichtserklärungen von Heiligendamm, die etwas Bewegung, aber keine Beschlüsse gebracht haben.

Die energiepolitischen Entscheidungen müssen nicht nur schnell, sondern auch fach- und sachgerecht getroffen werden. Eine echte Alternative zur bisherigen Energie-Erzeugung ist ein richtiger Energiemix, beispielsweise Offshore-Windparks und große Photovoltaik-Anlagen, die allerdings maßgeschneiderte und vor allem regionale Lösungen erfordern. Erdwärme, Wasserkraftanlagen, Biomasse usw., das Potenzial ist riesig und noch lange nicht ausgeschöpft.

Das Ziel muss sein, die Energieeffizienz erheblich zu erhöhen, eine nachhaltigere Energieumwandlung zu erreichen und klimafreundliche Technologien für alle Menschen zugänglich zu machen. Gerade ein Hochtechnologie-Standort wie Deutschland hat beim Thema Klimawandel daher enorme Möglichkeiten, wenn man der Forschung die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt. Und die Energieerzeuger in die Pflicht nimmt, sich an diesen Anstrengungen zu beteiligen.

Doch einige Länder blockieren die vielfältigen Anstrengungen immer noch. An erster Stelle sind es die Vereinigten Staaten. Die Bush-Regierung gibt immer wieder Absichtserklärungen ab, hat aber noch keinen entscheidenden Schritt getan, ihre Energiepolitik so zu ändern, wie es bereits ein Großteil der Bevölkerung fordert, dabei haben die USA die allerbesten Voraussetzungen um regenerative Energie zu erzeugen. Ein weiteres Land ist das so genannte Schwellenland China, das ihr Wirtschaftswachstum auch um den Preis riesiger Umweltverschmutzungen vorantreibt. Auch die chinesische Regierung gab nur Absichtserklärungen ab. Obwohl beide Länder vermehrt von Naturkatastrophen heimgesucht werden, die eindeutig mit der Klimaveränderung in Zusammenhang stehen, fehlt letztendlich der politische Wille.

So bleibt, wie erwähnt die große Hoffnung auf der Kyoto- Nachfolgekonferenz - denn die Hoffnung stirbt auch beim Klima zuletzt.
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